Berlin trägt seine Geschichte offen in Stein, Kupfer und Bronze: eine vergoldete Figur über dem Gendarmenmarkt, ein Dichter zwischen vier Allegorien, ein Drachentöter am Spreeufer, ein Meeresgott vor dem Roten Rathaus, eine Quadriga auf dem Brandenburger Tor und eine goldene Siegesgöttin hoch über dem Tiergarten. Wer diese sechs Figuren kennt, liest die Stadt anders — als Abfolge von Aufbau, Verlust, Rückkehr und Neubeginn.
Zwei Wege zu denselben Figuren
Der erste Weg ordnet nach Orten: Welche Denkmäler stehen am Gendarmenmarkt, welche im Nikolaiviertel, welche zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule — und wie lassen sie sich an einem Tag zu Fuß verbinden. Der zweite Weg ordnet nach Themen: Welche Figuren waren jahrzehntelang verschwunden und kehrten zurück, welche wurden für eine andere Stadt geplant als die, in der sie heute stehen, und welche lassen sich heute in einer eigenen Stimme befragen.
Beide Wege führen zu denselben sechs Figuren, erzählen sie aber verschieden. Wer Berlin zum ersten Mal besucht, beginnt am besten bei den Orten. Wer die Stadt schon kennt und tiefer verstehen will, was ihre Denkmäler im 20. Jahrhundert erlebt haben, beginnt bei den Themen.
Berlin in sechs Figuren — der Zeitstrahl
Die Daten unten stammen aus der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts Berlin und den auf den Einzelseiten genannten Quellen. Was auffällt: Fast jede Figur hat zwei Daten — eines für die Entstehung und eines für die Rückkehr.
- 1780 – 1785Die Kuppeltürme am Gendarmenmarkt entstehen nach Plänen von Carl von Gontard, vollendet unter Georg Christian Unger; auf dem Französischen Dom steht seither die vergoldete Allegorie der Religion, die Berlin „Nike“ nennt.
- 1790 – 1793Die Quadriga nach Johann Gottfried Schadow wird von Emanuel Jury in Kupfer getrieben und auf dem Brandenburger Tor aufgestellt.
- 1806Napoleon lässt die Quadriga als Kriegsbeute nach Paris bringen; 1814 kehrt sie zurück, ergänzt um Eisernes Kreuz und preußischen Adler nach Karl Friedrich Schinkel.
- 1818 – 1821Schinkel baut das Schauspielhaus, das heutige Konzerthaus, in die Achse der beiden Kuppeltürme.
- 1853 – 1855August Kiss schafft den Heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen; die Bronze steht zunächst im ersten Hof des Stadtschlosses.
- 1859 – 1869Grundstein des Schiller-Denkmals zum 100. Geburtstag des Dichters; Reinhold Begas setzt sich 1864 im Wettbewerb durch, das Denkmal entsteht bis 1869.
- 1865 – 1873Die Siegessäule nach Heinrich Strack entsteht auf dem Königsplatz, bekrönt von Friedrich Drakes vergoldeter Viktoria — der Goldelse.
- 1888 – 1891Reinhold Begas’ Neptunbrunnen wird gegossen und am 1. November 1891 auf dem Schlossplatz eingeweiht.
- 1935Das Schiller-Denkmal wird für die Neugestaltung des Gendarmenmarkts abgebaut; die Figur steht bis 1987 im Lietzenseepark.
- 1938 – 1939Die Siegessäule wird für Albert Speers Umbaupläne vom Königsplatz zum Großen Stern versetzt, der Schaft um eine Trommel erhöht.
- 1945Krieg und Zerstörung treffen fast alle sechs Figuren; von der Quadriga bleibt kaum etwas, die Reliefs der Siegessäule werden entfernt.
- 1950 – 1951Das kriegsbeschädigte Stadtschloss wird gesprengt und abgetragen; Neptunbrunnen und Heiliger Georg verlieren ihren Platz und werden eingelagert beziehungsweise versetzt.
- 1957Die Quadriga wird nach einem Gipsabguss neu geschaffen und steht wieder auf dem Tor.
- 1969Der Neptunbrunnen wird vor dem Roten Rathaus wieder aufgebaut, anlässlich der Fertigstellung des Fernsehturms.
- 1979 – 1987Das Nikolaiviertel wird wiederaufgebaut; 1987 kehrt der Heilige Georg ans Spreeufer zurück, die Reliefs der Siegessäule kommen wieder an ihren Platz.
- 1988Das Schiller-Denkmal steht wieder auf dem Gendarmenmarkt.
- 1992Bei der Restaurierung des Brandenburger Tors erhält die Quadriga Eisernes Kreuz und Adler zurück.
- 2026Das Bezirksamt Mitte saniert den Neptunbrunnen; die Fertigstellung ist bis Ende 2026 geplant.
Wie dieser Ratgeber arbeitet
Alle Texte stützen sich auf öffentlich belegte Fakten zu Baujahr, Standortgeschichte und Beschädigungen. Jede Seite trägt einen Kasten „Auf einen Blick“, einen Zeitstrahl und am Ende eine Quellenliste; Fußnoten im Text führen direkt dorthin. Wo Quellen unterschiedliche Angaben machen, steht die vorsichtigere Version — und wo das Landesdenkmalamt eine Zahl nicht nennt, nennt sie dieser Ratgeber auch nur mit Verweis auf eine andere Quelle.
Schwere Kapitel — Krieg, Zerstörung, politisch motivierte Versetzung — werden sachlich erzählt, nie als Spiel. Jede Seite endet mit dem Weg zur jeweiligen Figur auf berlinike.art, wo sie in ihrer eigenen Stimme antwortet: eine Ergänzung zum Besuch vor Ort, kein Ersatz dafür.
Häufige Fragen
Wie viel Zeit braucht man für alle sechs Figuren?
Ein halber Tag reicht für die Runde ohne Turmbesteigungen; mit Französischem Dom und Siegessäule wird es ein ganzer Tag. Gendarmenmarkt und Nikolaiviertel liegen zwanzig Gehminuten auseinander, vom Brandenburger Tor zur Siegessäule sind es gut zwei Kilometer durch den Tiergarten.
Kostet der Besuch der Denkmäler Eintritt?
Nein. Alle sechs Figuren stehen frei zugänglich im öffentlichen Raum. Eintritt zahlt man nur für die Aussichtsbalustrade und das Hugenottenmuseum im Französischen Dom sowie für die Plattform der Siegessäule.
Ist die goldene Figur auf dem Französischen Dom wirklich eine Nike?
Amtlich nicht: Das Landesdenkmalamt beschreibt sie als Allegorie der triumphierenden Religion nach Entwürfen von Daniel Chodowiecki. „Nike“ ist ihr Berliner Name, weil der erhobene Palmzweig an die antike Siegesgöttin erinnert. Dieser Ratgeber nennt beide Lesarten.
Frag Nike selbst →Woher stammen die Angaben in diesem Ratgeber?
Aus der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts Berlin, aus Pressemitteilungen des Bezirksamts Mitte, von den Häusern selbst und, wo das Amt schweigt, aus Fachliteratur und Wikipedia. Jede Seite führt ihre Quellen am Ende auf; Fußnoten im Text springen direkt dorthin.
Was heißt es, dass die Figuren „sprechen“?
Jede der sechs Figuren lässt sich auf berlinike.art per Sprache oder Text befragen und antwortet aus ihrer belegten Geschichte heraus — offen als Konstruktion benannt, kein Ersatz für den Besuch vor Ort.
Frag Schiller selbst →Zwei Wege, sechs Figuren
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