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Nikolaiviertel und Alt-Berlin — Georg und Neptun

Der Heilige Georg von August Kiß am Spreeufer und der Neptunbrunnen von Reinhold Begas vor dem Roten Rathaus — zwei Bronzen, die mit dem Stadtschloss …

8 Min. Lesezeit · 2 Figuren im Text

Figuren auf dieser SeiteDer Heilige GeorgNeptun

Der Heilige Georg
Der Heilige Georg · Spreeufer, Nikolaiviertel

Zwischen Spree, Rotem Rathaus und Fernsehturm liegt das älteste Stück Berlin — und zugleich eines der jüngsten: Das Nikolaiviertel wurde 1979 bis 1987 in Anlehnung an sein historisches Erscheinungsbild wiederaufgebaut, nachdem der Krieg es fast vollständig zerstört hatte.1 Zwei große Bronzen gehören zu diesem Teil der Stadt: der Heilige Georg im Kampf mit dem Drachen am Spreeufer und der Neptunbrunnen in der Grünfläche vor dem Rathaus. Beide standen einmal am Stadtschloss. Beide mussten gehen, als das Schloss gesprengt wurde. Und beide kamen zurück — nur an andere Orte als die, für die sie gemacht waren.

Das Viertel: alt und neu zugleich

Die schmalen, unregelmäßig verlaufenden Gassen um die Nikolaikirche, die ihren Ursprung in der Gründungszeit Berlins hat, muten einen mittelalterlichen Stadtgrundriss an.1 Was heute so geschlossen wirkt, ist das Ergebnis eines Wiederaufbaus zur 750-Jahr-Feier der Stadt 1987: Unter dem Architekten Günter Stahn entstand auf rund fünf Hektar ein Ensemble aus rekonstruierten und neu gebauten Häusern rund um die Kirche.2 Die Nikolaikirche selbst ist um 1230 vollendet worden und wurde um 1264 zur gotischen Hallenkirche erweitert.2

Am Zugang vom Spreeufer markiert der Heilige Georg den Eingang in dieses Viertel.1 Er ist das einzige Reiterstandbild hier — und eine Figur, die lange gar nichts mit dem Nikolaiviertel zu tun hatte.

Der Heilige Georg: ein Drachentöter auf Wanderschaft

Das bronzene Reiterstandbild stammt von August Kiß (1802 – 1865), einem bedeutenden Vertreter der Berliner Bildhauerschule, und gehört zu seinen Hauptwerken.1 Georg trägt einen Helm mit Kreuz, holt mit dem Schwert aus und hält zugleich den Kreuzstab mit Banner; der Drache unter ihm drückt dem Pferd eine Pranke in die Brust. Kiß hatte zuvor schon einen Erzengel Michael als Drachentöter modelliert — das Thema beschäftigte ihn länger.3

Die Figur entstand ab 1853 und ist mit „KISS / BERLIN 1855“ signiert. Ein Gipsmodell reiste in einem eigens gebauten Eisenbahnwaggon zur Weltausstellung nach Paris und gewann dort 1855 den zweiten Preis.3 1865 gelangte die fertige Bronze als Geschenk an König Wilhelm I. und wurde im ersten Hof des Berliner Stadtschlosses aufgestellt, dem Eosanderhof. Die Quellen unterscheiden sich darin, wer schenkte: die Witwe des Bildhauers oder die Stadt, der Kiß die Figur vermacht hatte.34 Dort stand Georg 85 Jahre lang.

  1. 1853 – 1855August Kiß schafft die Figur; das Gipsmodell gewinnt 1855 den zweiten Preis der Pariser Weltausstellung.
  2. 1865Die Bronze kommt als Geschenk an König Wilhelm I. in den ersten Hof des Stadtschlosses.
  3. 1950 – 1951Das kriegsbeschädigte Schloss wird gesprengt; Georg wandert in den Volkspark Friedrichshain, zuletzt an den Großen Teich.
  4. 1987Mit dem Wiederaufbau des Nikolaiviertels kehrt die Figur in die Stadtmitte zurück, ans Spreeufer.
  5. 2010 – 2011Restaurierung in Adlershof für rund 120 000 Euro; Wiedereinweihung am 24. Juni 2011.

1950 wurde das kriegsbeschädigte Schloss gesprengt, und Georg musste weichen. Die folgenden Jahrzehnte verbrachte er im Volkspark Friedrichshain — erst am Trümmerberg, dann am Großen Teich: ein Standort ohne Bezug zur Figur, ein Exil, kein Ehrenplatz.34 Erst 1987, auf Wunsch des Nikolaiviertel-Architekten Günter Stahn, kam er zurück in die Mitte der Stadt, auf einen Sockel aus rötlichem Granit am Spreeufer.4 2010 und 2011 wurde die Bronze in Adlershof umfassend restauriert und am 24. Juni 2011 wieder eingeweiht.3

Der Heilige GeorgDer Drachentöter am Spreeufer im Nikolaiviertel — nach Jahrzehnten im Depot zurückgekehrt.Spreeufer, Nikolaiviertel · 1853 – 1855 · seit 1987 wieder hierMit der Figur sprechen →

Der Neptunbrunnen: ein Geschenk, das niemand bestellt hatte

Der Neptunbrunnen von Reinhold Begas steht seit 1969 im Achsenschnitt von Fernsehturm und Rotem Rathaus, in der Grünfläche an der Spandauer Straße. Ausgeführt wurde er 1888 bis 1891 und stand von 1891 bis 1951 auf dem südlichen Schlossplatz, in der Achse der Breiten Straße.5 Mit achtzehn Metern Beckendurchmesser und zehn Metern Gesamthöhe zählte er seinerzeit zu den größten bildkünstlerischen Brunnenanlagen der Welt.5

Begas entwarf den Brunnen 1878 bis 1885 zunächst ohne Auftrag, als freie Schöpfung. Erst danach übernahm die Stadt Berlin Finanzierung und Ausführung und machte ihn 1888 Kaiser Wilhelm II. zum Geschenk.5 Den Bronzeguss führte 1888 bis 1890 Hermann Gladenbeck in Friedrichshagen aus; die Einweihung fand am 1. November 1891 statt.5

Neptun
Neptun auf seiner Muschel, getragen von vier Tritonen — der Brunnen gilt als eines der Hauptwerke von Reinhold Begas.

Neptun sitzt auf einer riesigen Muschel, getragen von vier Tritonen und umringt von Wasser speienden Putten und Wassertieren; die Komposition erinnert an die Brunnen Berninis in Rom.5 Am Schalenrand sitzen vier Frauengestalten als Personifikationen der Flüsse Elbe, Rhein, Oder und Weichsel — zu erkennen an ihren Attributen: Fischernetz und Trauben für den Rhein, Ähren und Früchte für die Elbe, Ziege und Fell für die Oder, Holzscheite für die Weichsel.56 Die Berliner nannten den Brunnen nach dem damaligen Oberbürgermeister Max von Forckenbeck bald „Forckenbecken“.6

  1. 1878 – 1885Begas entwirft den Brunnen ohne Auftrag.
  2. 1888Die Stadt übernimmt Finanzierung und Ausführung und schenkt den Brunnen Kaiser Wilhelm II.; Gladenbeck beginnt den Guss.
  3. 1891Einweihung am 1. November auf dem Schlossplatz.
  4. 1946Buntmetalldiebe beschädigen die Figuren.
  5. 1951Abbau und Einlagerung im Zuge des Schlossabrisses.
  6. 1967 – 1969Restaurierung durch Hans Füssel und die Gießerei Lauchhammer; Wiederaufbau vor dem Roten Rathaus, anlässlich der Fertigstellung des Fernsehturms.
  7. 2026Sanierung seit Mai: Becken, Abdichtung und Technik werden erneuert, Figuren und Felsen restauriert; rund 1,2 Millionen Euro, Fertigstellung bis Ende 2026 geplant.

1951 wurde der Brunnen im Zuge des Schlossabrisses abgebaut und eingelagert; achtzehn Jahre lagen zwischen dem Wegtragen und dem Wiederaufstellen. Anlässlich der Fertigstellung des Fernsehturms kam es 1969 zum Wiederaufbau auf dem Rathausvorplatz, nach einer Restaurierung durch Hans Füssel und die Gießerei Lauchhammer.56 Das Original-Becken aus poliertem rotem schwedischem Marmor war zerstört; es wurde durch rotes Granit ersetzt.6

NeptunDer Neptunbrunnen zwischen Rotem Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm.Spandauer Straße, Berlin-Mitte · 1888 – 1891 · seit 1969 hierMit der Figur sprechen →

Was man vor Ort sehen kann — und was gerade nicht

Der Georg steht frei zugänglich am Spreeufer, am besten vom Weg entlang des Wassers aus zu betrachten; von der gegenüberliegenden Seite bei der Rathausbrücke sieht man ihn mit dem Viertel im Hintergrund. Beim Neptunbrunnen gilt 2026 eine Besonderheit: Er ist eingerüstet.

Anreise und Weiterweg

Das Nikolaiviertel liegt zwischen Spree und Rotem Rathaus. Die nächsten Stationen sind Alexanderplatz (S-Bahn, U2, U5, U8) und Rotes Rathaus (U5), jeweils wenige Gehminuten entfernt. Vom Gendarmenmarkt aus erreicht man das Viertel zu Fuß in etwa zwanzig Minuten über die Schlossbrücke und die Museumsinsel. Wer die Reihenfolge dieses Ratgebers geht, fährt von hier mit der S-Bahn weiter zum Brandenburger Tor.

Geschichte, die man hören kann

Beide Figuren erzählen auf berlinike.art in einer eigenen Stimme von ihren Wanderjahren — Georg von den Jahrzehnten im Volkspark, Neptun vom Schlossplatz, vom Depot und vom Gerüst, das gerade um ihn herumsteht. Eine Ergänzung zum Besuch vor Ort, kein Ersatz dafür.

Häufige Fragen

Wo stand der Heilige Georg, bevor er ins Nikolaiviertel kam?

Von 1865 bis 1950 im ersten Hof des Berliner Stadtschlosses, nach dessen Sprengung bis 1987 im Volkspark Friedrichshain — erst am Trümmerberg, dann am Großen Teich.34

Frag Georg selbst →
Wer hat den Heiligen Georg geschaffen?

August Kiß (1802 – 1865), ein Hauptvertreter der Berliner Bildhauerschule. Die rund 5,50 Meter hohe Bronze ist „KISS / BERLIN 1855“ signiert; ihr Gipsmodell gewann 1855 den zweiten Preis der Pariser Weltausstellung.13

Warum steht der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus und nicht am Schloss?

Er wurde 1891 auf dem Schlossplatz eingeweiht, 1951 beim Schlossabriss abgebaut und eingelagert und 1969 anlässlich der Fertigstellung des Fernsehturms in der Grünfläche an der Spandauer Straße wieder aufgebaut.56

Frag Neptun selbst →
Welche Flüsse stellen die vier Frauenfiguren am Neptunbrunnen dar?

Rhein, Elbe, Oder und Weichsel, erkennbar an ihren Attributen: Fischernetz und Trauben für den Rhein, Ähren und Früchte für die Elbe, Ziege und Fell für die Oder, Holzscheite für die Weichsel.56

Ist der Neptunbrunnen 2026 zu sehen?

Nur hinter dem Gerüst. Das Bezirksamt Mitte saniert ihn seit Mai 2026 für rund 1,2 Millionen Euro: Becken und Abdichtung werden erneuert, neue Technik eingebaut, Figuren und Felsen restauriert. Die Fertigstellung ist bis Ende 2026 geplant.7

Quellen und Belege

  1. Landesdenkmalamt Berlin — Das Nikolaiviertel
  2. Wikipedia — Nikolaiviertel
  3. Wikipedia — Heiliger Georg (August Kiß)
  4. Bildhauerei in Berlin — Hl. Georg als Drachentöter
  5. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Neptunbrunnen (Obj.-Nr. 09011281)
  6. Wikipedia — Neptunbrunnen (Berlin)
  7. Bezirksamt Mitte — Pressemitteilung Nr. 116/2026 vom 8. Mai 2026: Sanierung des Neptunbrunnens

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