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Berlins Denkmäler entdecken — ein Ratgeber für den ersten Besuch

Wo in Berlin-Mitte die wichtigsten Denkmäler stehen, welche Geschichte sie tragen und wie sich Gendarmenmarkt, Nikolaiviertel und Tiergarten an einem Tag …

6 Min. Lesezeit · 2 Figuren im Text

Figuren auf dieser SeiteFriedrich SchillerBerliNike

Friedrich Schiller
Friedrich Schiller · Gendarmenmarkt, Berlin-Mitte

Wer Berlin zum ersten Mal besucht, steht schnell vor einer Frage: Wo anfangen? Die Stadt hat Hunderte Denkmäler, doch sechs Figuren erzählen zusammen fast die ganze Geschichte Berlins im 19. und 20. Jahrhundert — und sie liegen so nah beieinander, dass man sie an einem Tag zu Fuß und mit zwei S-Bahn-Fahrten verbinden kann. Dieser Abschnitt des Ratgebers ordnet sie nach Orten: Gendarmenmarkt, Nikolaiviertel, Brandenburger Tor und Tiergarten.

Warum gerade diese sechs

Die Auswahl folgt einem Muster, das man erst erkennt, wenn man alle sechs gesehen hat: Jede dieser Figuren hat ihren Platz einmal verloren und wiedergefunden — oder ist, wie die Goldelse, von der eigenen Seite versetzt und vergrößert worden. Das Schiller-Denkmal war ein halbes Jahrhundert lang vom Gendarmenmarkt verschwunden, geteilt zwischen Ost und West. Georg und Neptun standen am Stadtschloss und mussten mit dessen Sprengung weichen. Die Quadriga wurde einmal geraubt und einmal zerstört. Die Siegessäule steht heute an einem Platz, den es in dieser Form ohne die Umbaupläne der Nationalsozialisten nicht gäbe. Und die Kuppelfigur des Französischen Doms verlor 1944 die Kuppel unter sich und bekam sie erst 1987 zurück.

Wer die sechs besucht, sieht also nicht nur Denkmäler, sondern das, was eine Stadt mit ihren Denkmälern tut: aufstellen, verschieben, wegnehmen, zurückholen, umdeuten.

Die drei Orte in Kürze

Friedrich SchillerDas Schiller-Denkmal am Gendarmenmarkt, umgeben von vier Musen-Figuren.Gendarmenmarkt, Berlin-Mitte · Dichter, 1759 – 1805Mit der Figur sprechen →

Gendarmenmarkt. Der Platz entstand ab 1773 nach dem Willen Friedrichs II.; die beiden Kuppeltürme kamen 1780 bis 1785 hinzu, das Schauspielhaus Schinkels 1818 bis 1821.12 Hier stehen das Schiller-Denkmal von Reinhold Begas mit seinen vier Allegorien und, hoch oben auf dem Französischen Dom, die vergoldete Figur, die Berlin „Nike“ nennt — amtlich eine Allegorie der Religion. Der Turm bietet eine Aussichtsbalustrade und das Hugenottenmuseum.3

Nikolaiviertel. Das älteste Viertel der Stadt, 1979 bis 1987 wiederaufgebaut.4 Am Spreeufer markiert der Heilige Georg von August Kiß den Zugang; in der Grünfläche vor dem Roten Rathaus steht der Neptunbrunnen von Reinhold Begas, 1891 auf dem Schlossplatz eingeweiht und seit 1969 hier.5 2026 ist der Brunnen wegen Sanierung eingerüstet.6

Brandenburger Tor und Tiergarten. Das Tor von Carl Gotthard Langhans, 1791 eröffnet, trägt die Quadriga nach Johann Gottfried Schadow mit der Siegesgöttin Victoria.7 Gut zwei Kilometer westlich, am Großen Stern, steht die Siegessäule mit Friedrich Drakes vergoldeter Viktoria, der Goldelse — seit 1938/39 dort, vorher auf dem Königsplatz vor dem Reichstag.8

BerliNike (Nike)Die goldene Nike-Kuppelfigur auf dem Französischen Dom am Gendarmenmarkt.Französischer Dom, Gendarmenmarkt · Kuppelfigur seit 1818Mit der Figur sprechen →

Ein Tag, sechs Figuren — der Vorschlag

  1. 9:30Gendarmenmarkt: Schiller-Denkmal umrunden, die vier Allegorien und ihre Attribute suchen; dann den Blick heben zur Kuppelfigur des Französischen Doms.
  2. 10:30Französischer Dom: 284 Stufen zur Aussichtsbalustrade, danach das Hugenottenmuseum im Turm.
  3. 12:00Zu Fuß über Unter den Linden, Schlossbrücke und Museumsinsel ins Nikolaiviertel; Mittagspause in den Gassen um die Nikolaikirche.
  4. 13:30Heiliger Georg am Spreeufer, dann der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus — 2026 hinter dem Gerüst.
  5. 14:30S-Bahn vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor; Quadriga vom Pariser Platz aus, Reliefs an den Torhäusern.
  6. 15:30Durch den Tiergarten zur Siegessäule; 285 Stufen zur Plattform, direkt unter der Goldelse.
  7. 17:00Rückweg mit dem Bus über die Straße des 17. Juni oder zu Fuß zurück zum Brandenburger Tor.

Die Uhrzeiten sind ein Rahmen, kein Fahrplan. Wer Türme auslässt, schafft die Runde in einem halben Tag; wer beide besteigt, braucht den ganzen. An Wochenenden und Feiertagen ist der Gendarmenmarkt am Vormittag am ruhigsten, der Tiergarten am Nachmittag am belebtesten.

Was dieser Ratgeber bewusst nicht ist

Diese Seiten sind kein Verzeichnis aller Berliner Denkmäler und keine Fachpublikation. Sie konzentrieren sich auf sechs Figuren, erzählen deren Geschichte mit belegten Fakten und führen am Ende jeder Seite die Quellen auf — vor allem die Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts Berlin, Pressemitteilungen des Bezirksamts, die Häuser selbst und, wo das Amt keine Angaben macht, die Fachliteratur und Wikipedia. Zahlen, die Quellen verschieden angeben, werden als solche benannt.

Jede Seite nennt zudem den Weg zur jeweiligen Figur auf berlinike.art, wo sie in ihrer eigenen Stimme antwortet. Das ist eine Ergänzung zum Besuch vor Ort — die Figuren erzählen ihre Geschichte am überzeugendsten, wenn man vor ihnen steht.

Häufige Fragen

In welcher Reihenfolge besucht man die drei Orte am besten?

Vormittags Gendarmenmarkt, mittags zu Fuß ins Nikolaiviertel, nachmittags mit der S-Bahn zum Brandenburger Tor und durch den Tiergarten zur Siegessäule. So fällt das Licht jeweils auf die Figuren, und die Wege bleiben kurz.

Wie kommt man vom Gendarmenmarkt ins Nikolaiviertel?

Zu Fuß in rund zwanzig Minuten über Unter den Linden, die Schlossbrücke und die Museumsinsel. Die nächsten Bahnhöfe sind Stadtmitte und Unter den Linden auf der einen, Alexanderplatz und Rotes Rathaus auf der anderen Seite.

Kann man den Neptunbrunnen 2026 sehen?

Nur eingeschränkt. Das Bezirksamt Mitte saniert den Brunnen seit Mai 2026; Becken, Abdichtung und Technik werden erneuert, die Figuren restauriert. Die Fertigstellung ist bis Ende 2026 geplant.6

Frag Neptun selbst →
Welche Türme kann man besteigen?

Den Französischen Dom am Gendarmenmarkt mit 284 Stufen zur Aussichtsbalustrade3 und die Siegessäule mit 285 Stufen zur Plattform.8 Beide kosten Eintritt; die Figuren selbst sind frei zugänglich.

Warum gerade diese sechs Figuren?

Weil jede von ihnen ihren Platz einmal verloren und wiedergefunden hat oder versetzt wurde: Schiller war ein halbes Jahrhundert fort, Georg und Neptun mussten mit dem Stadtschloss weichen, die Quadriga wurde geraubt und zerstört, die Siegessäule 1938/39 versetzt, und die Kuppel unter der „Nike“ brannte 1944 aus.

Frag Georg selbst →

Quellen und Belege

  1. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Französischer Dom (Obj.-Nr. 09065017)
  2. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Schauspielhaus (Obj.-Nr. 09065015)
  3. Französischer Dom und Hugenottenmuseum — Besucherinformation
  4. Landesdenkmalamt Berlin — Das Nikolaiviertel
  5. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Neptunbrunnen (Obj.-Nr. 09011281)
  6. Bezirksamt Mitte — Pressemitteilung Nr. 116/2026: Sanierung des Neptunbrunnens
  7. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Brandenburger Tor (Obj.-Nr. 09065019)
  8. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Großer Stern mit Siegessäule (Obj.-Nr. 09050419)

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