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Verschwunden und zurückgekehrt — Denkmäler, die Berlin verlor und wiederfand

Der Heilige Georg, der Neptunbrunnen, die Quadriga und das Schiller-Denkmal waren über Jahre oder Jahrzehnte nicht an ihrem heutigen Platz — vier belegte …

8 Min. Lesezeit · 2 Figuren im Text

Figuren auf dieser SeiteDer Heilige GeorgVictoria

Der Heilige Georg
Der Heilige Georg · Spreeufer, Nikolaiviertel

Vier der bekanntesten Figuren Berlins haben eines gemeinsam: Es gab Jahre, in denen man sie an ihrem heutigen Ort vergeblich gesucht hätte. Ein Drachentöter stand in einem Volkspark, ein Meeresgott lag in Kisten, eine Siegesgöttin war erst Kriegsbeute in Paris und dann ein Haufen Kupferreste, und ein Dichter stand in Charlottenburg, während seine vier Begleiterinnen in Friedrichsfelde lagerten. Diese Seite erzählt die vier Geschichten — mit Daten aus der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts und der Fachliteratur.

Der Heilige Georg: 37 Jahre am falschen Ort

Als August Kiß seinen Georg 1853 bis 1855 schuf, war das Berliner Stadtschloss der selbstverständliche Ort für eine solche Figur. 1865 kam die Bronze als Geschenk an König Wilhelm I. in den ersten Schlosshof und blieb dort 85 Jahre.12 Dann sprengte die DDR 1950 das kriegsbeschädigte Schloss, und Georg musste weichen — in den Volkspark Friedrichshain, erst an den Trümmerberg, dann an den Großen Teich.12 Ein Park ohne Bezug zur Figur: Niemand hatte den Drachentöter dort hingedacht, er stand dort, weil Platz war.

Siebenunddreißig Jahre dauerte das. Erst der Wiederaufbau des Nikolaiviertels zur 750-Jahr-Feier 1987 holte ihn zurück in die Stadtmitte, auf Wunsch des Architekten Günter Stahn, auf einen Sockel aus rötlichem Granit am Spreeufer, wo er heute den Zugang zum Viertel markiert.23 2010/11 folgte die umfassende Restaurierung.1

Der Heilige GeorgDer Drachentöter am Spreeufer im Nikolaiviertel — nach Jahrzehnten im Depot zurückgekehrt.Spreeufer, Nikolaiviertel · 1853 – 1855 · seit 1987 wieder hierMit der Figur sprechen →

Der Neptunbrunnen: 18 Jahre in Kisten

Der Brunnen von Reinhold Begas wurde am 1. November 1891 auf dem Schlossplatz eingeweiht und stand sechzig Jahre lang vor dem Portal des Stadtschlosses, in der Achse der Breiten Straße.4 Mit achtzehn Metern Beckendurchmesser und zehn Metern Höhe gehörte er zu den größten Brunnenanlagen seiner Zeit.4 Als das Schloss 1950/51 abgetragen wurde, war auch für den Brunnen kein Platz mehr: 1951 wurde er abgebaut und eingelagert.4 Schon 1946 hatten Buntmetalldiebe die Figuren beschädigt.5

Achtzehn Jahre lagen zwischen dem Wegtragen und dem Wiederaufstellen. Anlässlich der Fertigstellung des Fernsehturms wurde der Brunnen 1967 bis 1969 restauriert und 1969 auf dem Vorplatz des Roten Rathauses wieder aufgebaut — an einem Ort, für den er nie gedacht war, in der Achse eines Bauwerks, das es bei seiner Entstehung nicht gab.45 Das zerstörte Originalbecken aus poliertem schwedischem Marmor wurde durch roten Granit ersetzt.5 2026 wird der Brunnen erneut saniert; das Bezirksamt Mitte plant die Fertigstellung bis Ende des Jahres.6

  1. 1806Dezember: Napoleon lässt die Quadriga abnehmen und in zwölf Kisten nach Paris bringen.
  2. 1814Rückkehr nach den Befreiungskriegen; am 7. August steht sie wieder auf dem Tor, ergänzt um Eisernes Kreuz und Adler.
  3. 1935 – 1936Das Schiller-Denkmal wird abgebaut und beim Abbau schwer beschädigt.
  4. 1945Die Quadriga wird im Kampf um Berlin zerstört; ein Pferdekopf bleibt.
  5. 1950 – 1951Schlossabriss: Georg kommt in den Volkspark Friedrichshain, der Neptunbrunnen ins Depot.
  6. 1951Die Schiller-Figur steht im Lietzenseepark (West), die Allegorien lagern im Tierpark Friedrichsfelde (Ost).
  7. 1957 – 1958Nachschöpfung der Quadriga nach dem Gipsabguss von 1942; Aufstellung 1958.
  8. 1969Der Neptunbrunnen steht wieder, vor dem Roten Rathaus.
  9. 1987Georg kehrt ans Spreeufer zurück.
  10. 1988Das Schiller-Denkmal steht wieder vor dem Konzerthaus.

Die Quadriga: Beute, Rückkehr, Zerstörung, Neuguss

Die Siegesgöttin auf dem Brandenburger Tor hat zwei Verluste erlebt — und beide Male kam sie nicht aus eigener Kraft zurück. Der erste war ein Raub: Nach seinem Einzug in Berlin am 27. Oktober 1806 ließ Napoleon die Quadriga im Dezember abnehmen und in zwölf Kisten nach Paris bringen, wo sie im Mai 1807 ankam.7 Acht Jahre blieb sie dort. Nach den Befreiungskriegen holte Friedrich Wilhelm III. sie zurück; sie wurde im Jagdschloss Grunewald restauriert und stand am 7. August 1814 wieder oben. Karl Friedrich Schinkel gab ihr dabei ein neues Zeichen in die Hand: einen Eichenkranz mit dem Eisernen Kreuz und einem preußischen Adler.78

Der zweite Verlust war endgültig. Im Kampf um Berlin 1945 wurde die Quadriga weitgehend zerstört; erhalten blieb ein einziger Pferdekopf, heute im Märkischen Museum.7 Dass es sie wieder gibt, verdankt sie einer Gips-Schutzabformung von 1942. 1956 beschloss der Ost-Berliner Magistrat die Rekonstruktion; Otto Schnitzer übernahm sie, gegossen wurde bei Hermann Noack in Friedenau — in West-Berlin, im Auftrag Ost-Berlins, eine der wenigen Zusammenarbeiten über die Sektorengrenze hinweg. Am 14. Dezember 1957 war die Gruppe fertig, 1958 stand sie wieder auf dem Tor.7 Das Eiserne Kreuz und der Adler wurden noch im selben Jahr entfernt und kehrten erst 1991/92 zurück.78

Victoria
Victoria auf dem Brandenburger Tor — die heutige Gruppe entstand 1957 nach einem Gipsabguss von 1942.

VictoriaDie Quadriga-Siegesgöttin auf dem Brandenburger Tor.Pariser Platz, Brandenburger Tor · 1793 · neu gegossen 1957Mit der Figur sprechen →

Das Schiller-Denkmal: ein Dichter in zwei Hälften der Stadt

Das Denkmal von Reinhold Begas, 1871 auf dem Gendarmenmarkt enthüllt, wurde 1935/36 für die Neugestaltung des Platzes abgebaut — und stürzte dabei, schwer beschädigt.910 Was dann geschah, ist die Geschichte der geteilten Stadt im Kleinen: Die Marmorfigur des Dichters kam 1951 in den Lietzenseepark in Charlottenburg, also nach West-Berlin; die vier Allegorien — Lyrik, Tragödie, Geschichte und Philosophie — lagerten im Tierpark Friedrichsfelde in Ost-Berlin.1011 Ein Denkmal, zwei Staaten.

Erst das Kulturabkommen zwischen Bundesrepublik und DDR vom 6. Mai 1986 schuf die Grundlage, die Teile wieder zusammenzuführen. Im Dezember 1988 stand das Denkmal im Rahmen eines Kulturgüteraustauschs wieder vor dem Konzerthaus; der Stufensockel wurde erneuert.910 2006 folgte eine umfassende Restaurierung, bei der auch der verlorene Dolch der Tragödie ergänzt wurde.10

Was die vier Geschichten verbindet

Keine dieser Figuren ist freiwillig gegangen. Krieg, Schlossabriss und Teilung haben sie von ihren Plätzen entfernt; Wiederaufbau, Jubiläen und ein Kulturabkommen haben sie zurückgebracht. Dass Georg heute am Spreeufer steht statt im Schlosshof, Neptun vor dem Rathaus statt vor dem Schloss, zeigt noch etwas: Rückkehr heißt in Berlin selten Rückkehr an denselben Ort. Die Stadt, in die sie zurückkamen, war eine andere als die, aus der sie verschwunden waren.

Häufige Fragen

Wie lange stand der Heilige Georg im Volkspark Friedrichshain?

37 Jahre, von 1950/51 bis 1987. Nach der Sprengung des Stadtschlosses kam die Bronze erst an den Trümmerberg, dann an den Großen Teich; mit dem Wiederaufbau des Nikolaiviertels kehrte sie ans Spreeufer zurück.123

Frag Georg selbst →
Wo war der Neptunbrunnen zwischen 1951 und 1969?

Eingelagert. Beim Schlossabriss 1951 abgebaut, wurde er 1967 bis 1969 restauriert und 1969 anlässlich der Fertigstellung des Fernsehturms vor dem Roten Rathaus wieder aufgebaut.45

Frag Neptun selbst →
Wie kam die Quadriga nach Paris und wieder zurück?

Napoleon ließ sie im Dezember 1806 abnehmen und in zwölf Kisten nach Paris bringen; nach den Befreiungskriegen holte Friedrich Wilhelm III. sie zurück. Am 7. August 1814 stand sie wieder auf dem Tor, ergänzt um Schinkels Eisernes Kreuz und Adler.78

Frag Victoria selbst →
Wer hat die Quadriga nach 1945 neu geschaffen?

Nach einer Gips-Schutzabformung von 1942 rekonstruierte Otto Schnitzer die Gruppe; gegossen wurde sie bei Hermann Noack in West-Berlin, im Auftrag des Ost-Berliner Magistrats. Am 14. Dezember 1957 war sie fertig, 1958 stand sie wieder oben.7

Warum war das Schiller-Denkmal zwischen Ost und West geteilt?

Nach dem Abbau 1935/36 kam die Marmorfigur 1951 in den Lietzenseepark in West-Berlin, die vier Allegorien lagerten im Tierpark Friedrichsfelde in Ost-Berlin. Erst das Kulturabkommen vom 6. Mai 1986 führte die Teile zusammen; im Dezember 1988 stand das Denkmal wieder vor dem Konzerthaus.91011

Frag Schiller selbst →

Quellen und Belege

  1. Wikipedia — Heiliger Georg (August Kiß)
  2. Bildhauerei in Berlin — Hl. Georg als Drachentöter
  3. Landesdenkmalamt Berlin — Das Nikolaiviertel
  4. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Neptunbrunnen (Obj.-Nr. 09011281)
  5. Wikipedia — Neptunbrunnen (Berlin)
  6. Bezirksamt Mitte — Pressemitteilung Nr. 116/2026: Sanierung des Neptunbrunnens
  7. Wikipedia — Brandenburger Tor
  8. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Brandenburger Tor (Obj.-Nr. 09065019)
  9. Landesdenkmalamt Berlin — Denkmaldatenbank, Standbild Schiller-Denkmal (Obj.-Nr. 09060093)
  10. Wikipedia — Schiller-Denkmal (Berlin)
  11. Bildhauerei in Berlin — Schillerdenkmal

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