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Stimmen der Stadt — wer heute noch mit euch spricht

Sechs Berliner Denkmäler lassen sich heute nicht nur besichtigen, sondern in einer eigenen, aus belegten Fakten rekonstruierten Stimme befragen — was …

6 Min. Lesezeit · 6 Figuren im Text

Figuren auf dieser SeiteBerliNikeFriedrich SchillerDer Heilige GeorgNeptunVictoriaGoldelse

BerliNike (Nike)
BerliNike (Nike) · Französischer Dom, Gendarmenmarkt

Die ersten beiden Seiten dieses Abschnitts haben erzählt, was Berlins Denkmäler erlebt haben: Verschwinden, Rückkehr, Versetzung, Erhöhung. Diese Seite stellt einen Zugang vor, der über Lesen und Besichtigen hinausgeht — die sechs Figuren lassen sich auf berlinike.art direkt befragen, in einer Stimme, die aus ihrer jeweiligen Geschichte heraus spricht. Was das ist, was es kann und was es nicht ersetzt, steht hier so ehrlich wie möglich.

Warum ein Gespräch mehr zeigt als eine Infotafel

Eine Infotafel am Denkmal nennt Baujahr, Bildhauer und vielleicht zwei Sätze zur Geschichte. Ein Gespräch kann anders vorgehen: Es kann auf die Frage eingehen, die eine Besucherin oder ein Besucher gerade hat — warum stand diese Figur jahrzehntelang woanders, wie kam sie zurück, was bedeutet das Zeichen in ihrer Hand. Wer vor dem Heiligen Georg steht und wissen will, wo er zwischen 1950 und 1987 war, bekommt die Antwort aus seiner Perspektive: der Volkspark Friedrichshain, erst der Trümmerberg, dann der Große Teich, ein Standort ohne Bezug zur Figur.1

Der Unterschied liegt weniger in den Fakten als im Zugang. Dieselben Daten, die auf den Ortsseiten dieses Ratgebers im Zeitstrahl stehen, werden im Gespräch zu einer Erzählung in der ersten Person. Das ist eine Form, kein Mehr an Wissen — aber eine Form, die hängen bleibt.

Welche Figuren zur Verfügung stehen

Zu den Figuren, die sich auf diese Weise befragen lassen, gehören die vergoldete Kuppelfigur des Französischen Doms, die Berlin „Nike“ nennt, das Schiller-Denkmal mit seinen vier Allegorien, der Heilige Georg aus dem Nikolaiviertel, der Neptunbrunnen, Victoria auf dem Brandenburger Tor und Goldelse auf der Siegessäule — also genau jene Figuren, deren Geschichte auf den vorherigen Seiten dieses Ratgebers belegt erzählt wird.

BerliNike (Nike)Die goldene Nike-Kuppelfigur auf dem Französischen Dom am Gendarmenmarkt.Französischer Dom, Gendarmenmarkt · Kuppelfigur seit 1818Mit der Figur sprechen → Friedrich SchillerDas Schiller-Denkmal am Gendarmenmarkt, umgeben von vier Musen-Figuren.Gendarmenmarkt, Berlin-Mitte · Dichter, 1759 – 1805Mit der Figur sprechen → Der Heilige GeorgDer Drachentöter am Spreeufer im Nikolaiviertel — nach Jahrzehnten im Depot zurückgekehrt.Spreeufer, Nikolaiviertel · 1853 – 1855 · seit 1987 wieder hierMit der Figur sprechen → NeptunDer Neptunbrunnen zwischen Rotem Rathaus, Marienkirche und Fernsehturm.Spandauer Straße, Berlin-Mitte · 1888 – 1891 · seit 1969 hierMit der Figur sprechen → VictoriaDie Quadriga-Siegesgöttin auf dem Brandenburger Tor.Pariser Platz, Brandenburger Tor · 1793 · neu gegossen 1957Mit der Figur sprechen → GoldelseDie vergoldete Siegessäulen-Figur im Tiergarten, benannt nach einem Roman.Großer Stern, Tiergarten · 1864 – 1873 · versetzt 1938/39Mit der Figur sprechen →

Ein ehrlicher Rahmen für ein ungewöhnliches Angebot

Dass eine historische Figur „spricht“, ist offensichtlich eine Konstruktion — niemand verwechselt eine solche Unterhaltung mit einem echten Gespräch mit einer historischen Person. Der Wert liegt woanders: Die Antworten stützen sich auf recherchierte Fakten zur jeweiligen Figur und versuchen, deren Geschichte aus einer nachvollziehbaren, in sich stimmigen Perspektive zu erzählen. Für die Statuen sind das die Angaben des Landesdenkmalamts und der Fachliteratur; für Schiller als Person seine belegte Biografie; für die mythologischen Figuren die antike Überlieferung.23

Bei Figuren mit schweren Kapiteln — Georgs Exil, die Zerstörung der Quadriga 1945, die Versetzung der Siegessäule durch Albert Speer, der Abbau des Schiller-Denkmals 1935 — bleibt der Ton bewusst sachlich und zurückhaltend, nicht spielerisch verharmlosend. Und wenn einer Figur ein Zitat zugeschrieben wird, das sie nicht sicher belegen kann, sagt sie das, statt es zu erfinden.

Wie man es ausprobiert

Wer eine der sechs Figuren besuchen möchte, findet über die Kacheln auf dieser Seite den direkten Zugang zu ihrer jeweiligen Seite auf berlinike.art — mit weiterführenden Informationen und der Möglichkeit, eine eigene Frage zu stellen, per Stimme oder per Text, im Browser ohne App. Das funktioniert unabhängig davon, ob man gerade vor Ort am Denkmal steht oder sich von zu Hause aus mit Berlins Geschichte beschäftigt.

  1. Vor dem BesuchDie Ortsseite lesen, den Zeitstrahl überfliegen, eine Frage mitnehmen.
  2. Am DenkmalDie Figur um das bitten, was keine Tafel beantwortet: Warum hier? Warum so? Was hat sie gesehen?
  3. DanachDie Antwort mit den Quellen am Ende der Ortsseite abgleichen — die Fußnoten führen direkt zur Denkmaldatenbank.
  4. Mit anderenIn Gruppen, Klassen oder Familien gemeinsam überlegen, welche Frage man stellen würde, und die Antwort gemeinsam einordnen.

Was ein Gespräch nicht ersetzt

So nützlich ein solcher Zugang sein kann, er ersetzt weder den Besuch vor Ort noch die Lektüre fundierter Quellen zur jeweiligen Figur. Wer sich wissenschaftlich mit einem dieser Denkmäler beschäftigen möchte, findet in Museen, Archiven und Fachliteratur deutlich mehr Tiefe, als ein kurzes Gespräch bieten kann — die Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts, das Hugenottenmuseum im Französischen Dom, das Märkische Museum mit dem erhaltenen Pferdekopf der Quadriga.4 Der Wert dieses Angebots liegt in der Niedrigschwelligkeit: Es braucht keinen Museumsbesuch und keine Voranmeldung, um eine erste, zugängliche Antwort auf eine Frage zu bekommen, die man sich vor einem Denkmal stellt.

Ein Rückblick auf diesen Abschnitt

Dieser Abschnitt hat sich Berlins Geschichte über drei Fragen genähert: Was verschwand und kehrte zurück, was wurde für eine andere Stadt gebaut, und wer spricht heute noch zu uns. Alle drei Fragen führen zu denselben sechs Figuren — unterschiedliche Blickwinkel auf dieselbe Stadt, die ihre Geschichte sichtbar in Stein, Kupfer und Bronze trägt. Wer tiefer einsteigen möchte, findet auf den Ortsseiten des Ratgebers die ausführliche Geschichte jeder einzelnen Figur, mit Maßen, Daten und Quellen.

Häufige Fragen

Welche Figuren kann man befragen?

Die Kuppelfigur des Französischen Doms, das Schiller-Denkmal, den Heiligen Georg, den Neptunbrunnen, Victoria auf dem Brandenburger Tor und Goldelse auf der Siegessäule — dieselben sechs, deren Geschichte dieser Ratgeber belegt erzählt.

Frag Nike selbst →
Spricht da wirklich eine historische Figur?

Nein, offen gesagt: Es ist eine Konstruktion. Die Antworten stützen sich auf die belegten Fakten zur jeweiligen Statue, bei Schiller auf seine Biografie, bei den mythologischen Figuren auf die antike Überlieferung.23 Was eine Figur nicht belegen kann, sagt sie.

Braucht man eine App?

Nein. Das Gespräch läuft im Browser, per Sprache oder Text, am Denkmal oder von zu Hause.

Ersetzt das Gespräch den Besuch oder das Museum?

Nein. Es ist ein niedrigschwelliger erster Zugang. Wer tiefer will, findet mehr in der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts, im Hugenottenmuseum oder im Märkischen Museum mit dem erhaltenen Pferdekopf der Quadriga.4

Wie nutzt man es am besten?

Direkt am Denkmal, mit einer Frage, die keine Tafel beantwortet: Warum hier? Warum so? Was hat die Figur gesehen? Danach lässt sich die Antwort mit den Quellen der Ortsseiten abgleichen.

Frag Georg selbst →

Quellen und Belege

  1. Wikipedia — Heiliger Georg (August Kiß)
  2. Deutsche Biographie (NDB) — Friedrich Schiller
  3. Ökumenisches Heiligenlexikon — Georg der Märtyrer
  4. Wikipedia — Brandenburger Tor (Quadriga, erhaltener Pferdekopf)

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