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Der heilige Georg in der Kunst — Raffael, Carpaccio, Rubens und Moreau

Vier Gemälde, vier Jahrhunderte: Wie Raffael, Carpaccio, Rubens und Moreau den Drachenkampf des heiligen Georg malten — mit Werkdaten, der Legende aus der …

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Figuren auf dieser SeiteDer Heilige Georg

Der Heilige Georg
Der Heilige Georg · Spreeufer, Nikolaiviertel

Der Berliner Georg am Spreeufer gehört zu einer langen Reihe. Seit dem Mittelalter malen Künstler den Reiter, der einen Drachen besiegt, und fast jedes Jahrhundert findet dafür ein eigenes Bild. Diese Seite stellt vier Gemälde vor, die das Motiv geprägt haben, und erzählt die Legende, auf die sie sich beziehen. Die Geschichte des Berliner Denkmals von August Kiß steht im Ratgeber zum Nikolaiviertel.

Der Heilige GeorgDer Drachentöter am Spreeufer im Nikolaiviertel — nach Jahrzehnten im Depot zurückgekehrt.Spreeufer, Nikolaiviertel · 1853 – 1855 · seit 1987 wieder hierMit der Figur sprechen →

Die Legende: Silene und die Königstochter

Die Drachenepisode steht in der Legenda aurea, der Heiligenlegendensammlung des Jacobus de Voragine aus dem 13. Jahrhundert. Sie erzählt von der Stadt Silene in Libyen, deren Bewohner einem Drachen aus einem nahen Teich Opfer bringen müssen. Zuletzt trifft das Los die Königstochter. In der englischen Fassung William Caxtons heißt es: „the lot fell upon the king's daughter".2 Georg erscheint, bekreuzigt sich – „garnished him with the sign of the cross" – und besiegt den Drachen.2

Älter ist die Verbindung von Georg und Drache nicht: Die frühesten Belege stammen aus dem 11. Jahrhundert, darunter Fresken in Göreme in Kappadokien und eine georgische Textquelle. Das Motiv war vorher dem heiligen Theodor Tiro zugeschrieben worden. Im 13. Jahrhundert machten die Legenda aurea und das Speculum historiale es im Westen bekannt.1

Raffael: das kleine Bild, um 1503 – 1505

Raffaels Georg im Louvre misst nur 31 × 27 Zentimeter, ein Bild für die Hand und nicht für die Wand.3 Die Tafel gehört zu seinen frühen Werken und zeigt noch den Einfluss Peruginos. Über den Auftraggeber berichtet Giovanni Lomazzo 1584: Guidobaldo da Montefeltro, Herzog von Urbino. Wikipedia nennt diesen Bericht verworren; sicher ist, dass die Tafel in die Sammlung Kardinal Mazarins gelangte und Ludwig XIV. sie 1661 von dessen Erben erwarb.3

Raffael, Der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen, um 1503–1505, Louvre

Carpaccio: Venedig, 1502

Vittore Carpaccios Georg hängt bis heute dort, wofür er gemalt wurde: in der Scuola di San Giorgio degli Schiavoni in Venedig.4 Die „Schiavoni" waren Dalmatiner, die auf venezianischer Seite gegen die Osmanen kämpften. Das Bild ist das sechste im neunteiligen Zyklus der Scuola und das erste von drei Georgsbildern. Im Hintergrund liegt die erfundene Stadt Silene, mit Brücke, ägyptisch anmutenden Toren und einem Obelisken; im Vordergrund liegen Überreste der Opfer.4

Vittore Carpaccio, Der heilige Georg und der Drache, 1502, Scuola di San Giorgio degli Schiavoni

Rubens: Genua, um 1605 – 1607

Peter Paul Rubens malte seinen Georg in Italien. Georg ist der Stadtpatron Genuas, und viele Forscher vermuten, dass das Bild für die ihm geweihte Kirche Sant'Ambrogio bestimmt war; gesichert ist das nicht.5 Rubens behielt das Gemälde bis zu seinem Tod 1640; Philipp IV. von Spanien erwarb es danach. Die Prinzessin deutet man als die Kirche, das Lamm als Christus, und der schlangenhafte Drache verweist auf die Schlange im Paradies.5

Peter Paul Rubens, Der heilige Georg besiegt den Drachen, um 1606–1608, Museo del Prado

Moreau: Paris, 1889 – 1890

Gustave Moreau malt Georg als schlanken Jüngling mit langem, wehendem Haar. Die National Gallery verzeichnet das Bild unter der Nummer NG6436 und nennt als Vorbilder Raffael und Carpaccio, daneben byzantinische Ikonen sowie indische und persische Miniaturen.6 Moreau hatte Carpaccio schon 1858 kopiert; die Kopie hängt im Musée Gustave Moreau.7

Gustave Moreau, Der heilige Georg und der Drache, 1889/90, National Gallery London

  1. 11. JahrhundertErste Belege für Georg als Drachentöter: Fresken in Göreme und eine georgische Textquelle.
  2. 1260er–1275Jacobus de Voragine erzählt die Silene-Legende in der Legenda aurea.
  3. 1502Carpaccios Georg für die Scuola der Dalmatiner in Venedig.
  4. um 1503 – 1505Raffaels kleiner Georg, heute im Louvre.
  5. um 1605 – 1607Rubens malt den Georg, der heute im Prado hängt.
  6. 1661Ludwig XIV. erwirbt Raffaels Georg aus dem Besitz der Erben Mazarins.
  7. 1858Moreau kopiert Carpaccios Georg.
  8. 1889 – 1890Moreau vollendet seinen Georg, heute in der National Gallery London.

Häufige Fragen

Welches ist das berühmteste Georgsbild?

Das lässt sich nicht objektiv entscheiden. Raffaels kleine Tafel im Louvre und Carpaccios Zyklus in Venedig gelten als die Klassiker; Rubens' große Leinwand im Prado ist am Hof und in Spanien besonders bekannt geworden.345

Woher kommt die Geschichte vom Drachen?

Aus der Legenda aurea des Jacobus de Voragine, 13. Jahrhundert. Sie spielt in Silene in Libyen. Ältere Quellen kennen Georg als Märtyrer, aber noch nicht als Drachentöter.12

Warum steht Georg auch in Berlin?

Der Berliner Georg ist eine Bronze von August Kiß, die zuerst auf der Pariser Weltausstellung 1855 gezeigt wurde und seit 1987 am Spreeufer im Nikolaiviertel steht. Die Geschichte dazu steht im Ratgeber zum Nikolaiviertel.

Quellen und Belege

  1. Wikipedia — Saint George and the Dragon (Legende, früheste Belege, Verbreitung)
  2. Jacobus de Voragine — The Golden Legend, Life of St. George (Caxton, hrsg. F. S. Ellis; Fordham Medieval Sourcebook)
  3. Wikipedia — Saint George (Raphael, Louvre)
  4. Wikipedia — St. George and the Dragon (Carpaccio)
  5. Wikipedia — Saint George and the Dragon (Rubens)
  6. National Gallery London — Gustave Moreau, Saint George and the Dragon, 1889–90 (NG6436)
  7. Wikipedia — Gustave Moreau (Kopie nach Carpaccio, 1858, Musée Gustave Moreau)

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