Neptun, der römische Gott des Meeres und des Süßwassers, ist in der europäischen Malerei oft ein Gott der Macht über das Wasser: Er beruhigt Stürme, beschenkt Städte, treibt Brandung vor sich her. Diese Seite stellt drei Gemälde vor, die diese Bilder geprägt haben, und ordnet sie in die Geschichte des Gottes ein. Den Neptunbrunnen von Reinhold Begas vor dem Roten Rathaus behandelt der Ratgeber zum Nikolaiviertel.
Der Gott: Neptun und Poseidon
Neptun gilt als römischer Gott des Süßwassers und des Meeres; in der griechisch geprägten Überlieferung ist er ein Bruder von Jupiter und Pluto und dem Poseidon gleichgesetzt.1 Sein Fest, die Neptunalia, fiel in den Hochsommer, meist auf den 23. Juli – ein Hinweis darauf, dass er in Zeiten von Dürre und Hitze auch als Gott der Wasserquellen galt.1 Als Attribute nennt die Überlieferung Dreizack, Pferd und Delfin.1 Die Verbindung zum Pferd gehört eigentlich zu Poseidon; für Neptun entstand sie durch die Gleichsetzung mit dem römischen Consus, der mit Pferderennen verbunden war.1
Rubens: Neptun beruhigt den Sturm, 1635
Die kleine Ölskizze in den Harvard Art Museums ist ein Entwurf für ein Festgerüst: Die Stadt Antwerpen ließ Rubens den prunkvollen Empfang des neuen spanischen Statthalters Kardinal-Infant Ferdinand im Januar 1635 planen.2 Die Skizze zeigt die Überfahrt der Flotte von Barcelona nach Genua im April 1633, die ein Sturm aufgehalten hatte. Rubens vergleicht sie mit Vergils Aeneis, in der Neptun die Winde beruhigt, die Äneas' Flotte bedrohen.2 Harvard führt das Bild auch unter dem Titel Quos ego, den Anfangsworten von Neptuns Drohung an die Winde.2

Tiepolo: Venedig empfängt die Gaben des Meeres
Das Gemälde gehört in die Sala delle Quattro Porte des Dogenpalastes. Tiepolo malte es, um ein Bild ähnlichen Themas von Jacopo Tintoretto zu ersetzen, das einen Deckenabschnitt des Saales geschmückt hatte.3 Venedig erscheint als reich gekleidete Frau, der Neptun Gold und Juwelen schenkt: Ihr Wohlstand beruht auf dem Meer.4 Die Datierung schwankt: Der Dogenpalast gibt 1756 bis 1758 an,3 das Kunstportal arte.it nennt 1745.4 Ursprünglich war das Bild in die Decke eingelassen; heute steht es auf einer Staffelei, damit die Farben zur Geltung kommen.4

Walter Crane: Neptuns Pferde, 1892
Walter Crane sah 1892 auf einer Reise in die USA bei Wauwinet auf Nantucket die Atlantikwellen brechen; der Wind riss die Kämme ab, sodass die Gischt wie wehende Mähnen aussah.5 Daraus entstand das große Gemälde, das Neptun mit weißen Hengsten zeigt, die als Brandung auf den Strand zurasen. Eine kleine Skizze zeigte Crane 1892 bei der Royal Watercolour Society, das große Bild 1893 in der New Gallery; heute hängt es in der Neue Pinakothek in München.5

- 1635Rubens entwirft für den Einzug des Kardinal-Infanten Ferdinand in Antwerpen die Szene „Neptun beruhigt den Sturm“.
- 1745 – 1758Tiepolo malt „Venedig empfängt die Gaben des Meeres“ für den Dogenpalast (Datierung je nach Quelle).
- 1892Walter Crane sieht auf Nantucket die Brandung und malt „Neptuns Pferde“.
- 1893Das große Gemälde wird in der New Gallery in London gezeigt.
- 2001 – 2002Das Fogg Art Museum zeigt Rubens' Skizze in der Ausstellung „Calming the Tempest“.
Häufige Fragen
Wofür steht Neptun in der Kunst?
Ist Neptun dasselbe wie Poseidon?
In der griechisch geprägten Überlieferung wird Neptun dem Poseidon gleichgesetzt. Die Verbindung zum Pferd gehört ursprünglich zu Poseidon.1
Quellen und Belege
- Wikipedia — Neptune (mythology)
- Harvard Art Museums — Rubens, The Voyage of the Cardinal Infante Ferdinand … with Neptune Calming the Tempest (Inv. 1942.174)
- Palazzo Ducale Venedig — Pinakothek, Tiepolo: Venedig empfängt die Gaben des Meeres (1756–1758)
- arte.it — Venice receives the Gifts of the Sea from Neptune
- The Victorian Web — Walter Crane, Neptune's Horses (1892)

