Fotos: BerliNike.Art · Tilman Harte (CC BY 3.0) · visitBerlin
Acht Marmorgruppen, 1842–1857 gemeißelt, erzählen eine Geschichte: ein Knabe hört Heldensagen, kämpft, siegt, fällt, bis Iris ihn zum Olymp trägt. Jede Figur spricht mit eigener Stimme; die Reise läuft von selbst.
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Die BrückeSchinkel, 1822–1824, und warum Unter den Linden erst hier zur Prachtstraße wird
Karl Friedrich Schinkel baute die Schloßbrücke 1821–1824 im klassizistischen Stil. Am 29. Mai 1822 wurde der Grundstein gelegt, bei dem die Brücke ihren Namen erhielt. Sie ruht auf drei Flachbögen und ist rund 33 Meter breit — genauso breit wie die Straße Unter den Linden. Dadurch wirkte die Allee erstmals wie ein durchgehender Straßenzug vom Schloss bis zum Brandenburger Tor.
Sie galt bei ihrer Fertigstellung als größte Brücke Berlins; sieben Wagen konnten nebeneinander fahren. Der Bau kostete 305.000 Taler. Für das Fundament musste das Wasser gestaut und zwölf Meter lange Pfähle in den Grund gerammt werden.
Quelle: Wikipedia
Die Hundebrücke davorEine hölzerne Brücke für Jagdgesellschaften — und Napoleons Einzug
Schon im 15. Jahrhundert gab es an dieser Stelle eine Brücke, um Baumaterial für das Berliner Schloss über den Wasserlauf zu bringen. Die schmale hölzerne Brücke hieß „Hundebrücke“, weil Jagdgesellschaften mit ihren Hundemeuten auf dem Weg zum Jagdgebiet im Großen Tiergarten über sie ziehen mussten.
1806 zog Napoleon Bonaparte über diese Brücke ins Berliner Schloss ein. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand der König, die Hundebrücke verunziere die Gegend neben den schönsten Gebäuden der Residenz; sie wurde 1821 abgerissen.
Quelle: Wikipedia
Die acht Gruppen — Schinkels Plan und was daraus wurdeVon Kupfer zu Carrara-Marmor, von acht Nike zu vier Athena
Schinkel hatte acht monumentale Figurengruppen vorgesehen, die an die erfolgreich bestandenen Befreiungskriege erinnern sollten. Aus Geldmangel wurde die Ausführung 1820 zurückgestellt; erst 1842 begann sie nach einem Wettbewerb, acht Berliner Bildhauer aus den Schulen von Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch waren beteiligt. Die letzte Gruppe wurde 1857 fertig — Schinkel erlebte das nicht mehr.
Der Architekt Friedrich August Stüler änderte Schinkels Konzept ab: Bei den vier mittleren Gruppen (je zwei pro Brückenseite) trat die flügellose Göttin Pallas Athene an die Stelle der geflügelten Siegesgöttin Nike — man fürchtete, acht Flügelpaare würden zu unruhig wirken. Statt in Kupfer getrieben, wurden die Figuren aus weißem Carrara-Marmor gearbeitet.
Die Postamente stehen auf roten Granitsockeln und tragen kreisrunde Medaillons mit je einem Adler (Arbeiten von Friedrich Wilhelm Wolff). Manche Zeitgenossen nahmen an der Nacktheit der Figuren Anstoß; der Kultusminister beantragte sogar, die Gruppen wieder zu entfernen.
Quelle: Wikipedia · Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank, Obj.-Dok.-Nr. 09030067
Wer steht wo?Alle acht Gruppen, von West nach Ost
Südseite: Nike lehrt den Knaben Heldensagen (Emil Wolff, 1847) · Athena unterrichtet den Jungen im Waffengebrauch (Hermann Schievelbein, 1853) · Athena bewaffnet den Krieger (Karl Heinrich Möller, 1851) · Nike krönt den Sieger (Friedrich Drake, 1853).
Nordseite: Nike richtet den Verwundeten auf (Ludwig Wilhelm Wichmann, 1853) · Der Jüngling wird von Athena in neuen Kampf geführt (Albert Wolff, 1853) · Der junge Held wird von Athena beschützt (Gustav Blaeser, 1854) · Iris trägt den gefallenen Helden zum Olymp empor (August Wredow, 1857).
Die Bezeichnungen der Gruppen werden in den Quellen unterschiedlich wiedergegeben. Hier gilt die Fassung der Berliner Denkmaldatenbank — danach ist die letzte Gruppe nicht Nike, sondern Iris, die Götterbotin.
Quelle: Wikipedia · Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank, Obj.-Dok.-Nr. 09030067
Das eiserne GeländerSeepferde, Tritonen und Delfine — und eine Kopie in St. Petersburg
Zwischen den Sockeln der Figuren sitzt ein gusseisernes Geländer mit mythologisch-maritimen Motiven nach Schinkels Entwürfen: Seepferde und Tritonen in den Hauptfeldern, in den schmalen Zwischenstücken je ein Delfin (die Quelle nennt dafür insgesamt 44). Ausführender Bildhauer war Kleemeyer, hergestellt wurde es in der Königlich Preußischen Eisengießerei Berlin.
Eine Replik des Geländers schmückt seit 1843 die Anitschkow-Brücke in St. Petersburg — die Gegengabe Friedrich Wilhelms IV. an Zar Nikolaus I.
Quelle: Wikipedia
Wie man Marmor sauber hält1880: grau vom Kohlenrauch — und jährlich Seifenwasser
Schon 1880 stellten Fachleute fest, dass die Marmoroberflächen unter dem Schwefel aus verheizter Kohle „grau und unansehnlich geworden“ waren. Man reinigte sie gründlich, schliff sie sogar leicht mit Schleifpapier und Marmorstaub ab und wusch sie danach jährlich einmal mit Seifenwasser aus weißer Kokosseife. Erst etwas später kam ein spezielles Schutzmittel hinzu, das sich in Langzeittests bewährt hatte.
Quelle: Wikipedia
Krieg, Teilung, Rückkehr1943 ausgelagert, 1981 im Tausch zurück, 1991 der alte Name
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Brücke selbst nur leichte Schäden; ihr Figurenschmuck war 1943 in den Westhafen ausgelagert worden. Nach Kriegsende lag die Brücke im sowjetischen Sektor, die Figuren lagerten in den Westsektoren, zuletzt im Lapidarium am Landwehrkanal. Am 1. Mai 1951 erhielt die Brücke den Namen Marx-Engels-Brücke.
Im Austausch gegen das Archiv der Königlich-Preußischen Porzellanmanufaktur kehrten die Figurengruppen 1981 an ihren Standort zurück. Sie wurden restauriert und 1983/1984 aufgestellt. Am 3. Oktober 1991, dem ersten Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, bekam die Brücke ihren Namen Schloßbrücke zurück. Zwischen 1995 und 1997 folgte eine Generalinstandsetzung.
Quelle: Wikipedia
Ein dunkler Tag bei der Einweihung28. November 1823 — ernst, aber Teil der Geschichte
Zur Hochzeit des preußischen Kronprinzen, des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV., sollte die noch unfertige Brücke am 28. November 1823 feierlich eingeweiht werden. Beim Zurückfluten der Zuschauermenge entstand auf der daneben errichteten hölzernen Notbrücke ein solches Gedränge, dass viele Menschen ins Wasser stürzten und 22 Personen starben.
Erst im Sommer 1824 erhielt die Schloßbrücke Klappenmechanismus, Gehwegplatten und das eiserne Geländer und wurde für den Verkehr freigegeben.
Quelle: Wikipedia
Quellen
- Wikipedia: „Schloßbrücke (Berlin-Mitte)“ ↗ · gelesen am 02.10.2026Hauptquelle dieser Felder (Text unter CC BY-SA, hier in eigenen Worten).
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank, Obj.-Dok.-Nr. 09030067 ↗Maßgeblich für Titel, Bildhauer und Jahre der acht Gruppen.
- Literatur, wie im Wikipedia-Artikel genanntPaul Ortwin Rave, Karl Friedrich Schinkel. Lebenswerk, Bd. II (1948) · Peter Springer, Schinkels Schloßbrücke in Berlin. Zweckbau und Monument (1981) · Helmut Engel / Wolfgang Ribbe, Via triumphalis (1997). Von uns nicht eingesehen — als Weiterlesen-Hinweis übernommen.









